Datenschutz in der Schule

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Inhaltsverzeichnis

Einleitung

Grundlage für alles, was mit dem Thema Datenschutz in Schule zu tun hat, ist zunächst das Bundesdatenschutzgesetz. Daraus leitet sich das Datenschutzgesetz des Landes Nordrhein Westfalen (DSG NRW) her und konkretisiert landeseigene Spezifikationen. Für Schulen in NRW werden weitere Konkretisierungen im Schulgesetz NRW in § 120, § 121 und § 122 vorgenommen. In Ergänzung dazu gibt es dann noch zusätzliche Informationen in zwei Verordnungen zur Datenverarbeitung und den zugehörigen Anlagen. Diese sind betreffend der Schülerinnen und Schüler die VO-DV I und betreffend der Lehrerinnen und Lehrer die VO-DV II.

Datenschutzhierarchie.png


Datenschutz - die eigene Kompetenz erweitern

  • Young Data ist eigentlich für Jugendliche, jedoch auch für Lehrkräfte sehr wertvoll + kann für den Unterricht genutzt werden
  • Virtuelles Datenschutzbüro - richtet sich an Erwachsene
  • Datenschutz auf den Seiten der Landesbeauftragten für Datenschutz und Informationsfreiheit (LDI) NRW
  • Datenschutz bei Klicksafe.de richtet sich vor allem an Jugendliche, ist aber trotzdem für Lehrkräfte sehr nützlich + kann im Unterricht genutzt werden

Lektüren zum Thema Datenschutz in der Schule

Wer hat die Verantwortung in Schule beim Thema Datenschutz?

  • Grundsätzlich hat die Schulleitung die Verantwortung für das Thema Datenschutz in der Schule. Dies betrifft die Verarbeitung von Daten innerhalb der Verwaltung wie auch durch die Lehrerinnen und Lehrer und im Rahmen des Unterrichts. Lehrerinnen und Lehrer benötigen eine schriftliche Erlaubnis, wenn sie die Daten der Schülerinnen und Schüler auf ihren privaten Endgeräten verarbeiten wollen. In der VO-DV I Anlage 3 ist dabei auch genau geregelt, welche Daten überhaupt durch Lehrerinnen und Lehrer verarbeitet werden dürfen. Alle darüber hinausgehenden Daten benötigen einer schriftlichen und freiwilligen Einwilligung der Betroffenen bzw. der Erziehungsberechtigten. Am 8.2.2017 wurde im Rahmen von Logineo NRW eine Änderung bei den Verordnungen zur Datenverarbeitung beschlossen. Einige der bisher bestehenden Vorschriften wurden dabei gelockert. Siehe dazu hier im Wiki
  • Die wichtigste Regel für Lehrerinnen und Lehrer beim Umgang mit persönlichen Daten von Schülerinnen und Schülern (und eventuell deren Erziehungsberechtigten) lautet: „Immer absichern!“ Das bedeutet, sobald ich eine Plattform nutzen will oder ein App oder eine sonstige Anwendung, bei welcher persönliche Daten von Schülerinnen und Schülern benötigt werden, hole ich mir dazu am besten die Genehmigung der Schulleitung ein. Bei Angeboten, die ohne persönliche Daten auskommen, ist dieses nicht erforderlich. Persönliche Daten können anfallen, wenn Schülerinnen und Schüler sich namentlich oder mit einer persönlichen E-Mail-Adresse anmelden müssen.

Das aktuelle Formular dazu findet sich hier.

Datenschutz bei der Nutzung von Online Lernplattformen

Hier bietet die Broschüre "Orientierungshilfe der Datenschutzaufsichtsbehörden für Online-Lernplattformen im Schulunterricht", die von Datenschutzbehörden von Bund und Ländern erarbeitet wurde, eine gute erste Orientierung.Ergänzend kann es sinnvoll sein, sich auch mit der Broschüre "Cloud Computing“ der Arbeitskreise Technik und Medien der Datenschutzbeauftragten des Bundes und der Länder sowie der Arbeitsgruppe Internationaler Datenverkehr des Düsseldorfer Kreises zu beschäftigen.

Häufige Fragen bei der Nutzung digtaler Angebote im Unterricht

Wie oft kommt es vor, dass man eine tolle Idee hat, ein App entdeckt oder eine Plattform, mit der man den Unterricht bereichern möchte. Doch dann stellt sich schnell die Frage, ob das datenschutzrechtlich überhaupt geht. Darf man das? Muss man jemanden fragen, eine Erlaubnis einholen oder ähnlich?

Kann ich Apps und Webplattformen nutzen, die keine persönlichen Daten erfordern?

  • Kein Problem, solange Schüler sich nicht mit Namen oder einer E-Mail Adresse anmelden müssen, die der Person zugeordnet werden kann, geht das ohne Schwierigkeiten. Bei Apps sollte man sich jedoch vorweg die App Berechtigungen ansehen. Wenn diese Apps auf Kontakte und Fotos zugreifen wollen, könnten dadurch doch persönliche Daten weitergegeben werden.

Wie sieht es mit der Nutzung von Apps oder Webplattformen mit persönlicher Anmeldung aus? Was muss man beachten?

  • Das Thema ist deutlich komplexer. Grundsätzlich gilt: wenn die Nutzer bzw. die Erziehungsberechtigten umfassend informiert sind über die persönlichen Daten, welche verarbeitet werden sollen, und die Bedingungen, unter denen dieses geschieht, und sie stimmen diesem freiwillig und schriftlich zu, dann geht eigentlich alles.

Ich möchte in mein digitales Klassenbuch App Portraitfotos der Schüler setzen, um Namen und Gesichter besser zuordnen zu können. Geht das?

  • Auch nach der Neufassung der VO-DV I Anlage 3, in welcher definiert ist, welche Daten Lehrkräfte auf privaten Endgeräten nach Genehmigung durch die Schulleitung verarbeiten dürfen, gehören Fotos der Schüler nicht zu den dort aufgeführten Individualdaten.
  • Eine Nutzung ist nur dann zulässig, wenn dieses mit Einwilligung der Betroffenen oder bei jüngeren Schülern der Erziehungsberechtigten geschieht und diese Einwilligung genau für diesen Fall erteilt wurde. Wenn eine Schule die generelle Führung digitaler Klassenbücher einführt und diese Klassenbücher auf den Endgeräten der Lehrkräfte geführt werden, könnte eine generelle Erlaubnis für diese Nutzung eingeholt werden. Achtung! Die Einwilligung erfolgt freiwillig!

Ich möchte die Kontaktinformationen von Schülern und Erziehungsberechtigten im Smartphone speichern. Geht das?

  • Daten zur Erreichbarkeit dürfen seit der Änderung der VO-DV I, Anlage 3, von Lehrkräften nach schriftlicher Genehmigung durch die Schulleitung auf privaten Endgeräten verarbeitet werden. Das schließt natürlich auch das Speichern ein. Leider ist das Thema jedoch nicht ganz unproblematisch. Je nachdem, wo man die Kontaktdaten speichert, kann das schnell zu einem Verstoß gegen die Vorgaben zum Datenschutz führen. Es geht hier vor allem um die Weitergabe der Daten.
    • Speichert man die Kontaktdaten auf einem Smartphone in Google Contacts, so werden alle diese Kontaktdaten auch in die Google Cloud synchronisiert. Das ist praktisch, da sie so auch auf anderen Geräten über Synchronisation verfügbar sind. Genau hier liegt aber das Problem. Die Kontaktdaten von Schülern und Angehörigen landen in der Cloud. Sie verlassen das Endgerät des Lehrers und dieses ist nicht durch die Genehmigung der Schulleitung zur Verarbeitung von Schülerdaten auf privaten Endgeräten abgedeckt und stellt sogar einen direkten Verstoß gegen das Schulgesetz dar (Weitergabe von Daten). Was für Google Contacts gilt, trifft auch für viele andere, über eine Cloud synchronisierte Kontakte Apps auf Smartphones und Tablets zu. In dem Moment, wo eine automatische Synchronisation oder ein Backup angeboten wird, landen die Daten in einer Cloud (Ausnahme Backup auf einen PC/Notebook). Viele Hersteller von Smartphones bieten eine automatische Backup-Funktion an, die in der Regel auch immer die Kontakte einschließt, da diese zu den für Nutzer wichtigsten Daten zählen. Wer bei der Ersteinrichtung eines Smartphones oder Tablets einfach nur „weiter“ klickt, hat diese Funktion in der Regel aktiviert!
    • Vor allem auf mobilen Endgeräten wie Smartphones und Tablets verlangen Apps bei Installation häufig Zugriff auf alle möglichen auf dem Gerät gespeicherten Daten. Dazu gehören sehr oft auch Kontaktdaten. Meist sollen diese Daten damit für das installierte App verfügbar gemacht werden. Ein Beispiel dafür ist Facebook, welches die Kontakte im Adressbuch eines Nutzers verwendet, um diesem neue Facebookfreunde vorzuschlagen. Facebook kann diese Daten jedoch auch nutzen, um anderen Nutzern, welche die gleichen Nummern im Adressbuch haben, diese Kontakte als Freunde vorzuschlagen. Ohne dass die Kontaktdaten der Schüler dabei in der Cloud des App Anbieters landen, ist das nicht möglich.
      • Beispiel WhatsApp: "Hier führt die Landesbeauftragte für Datenschutz und Informationsfreiheit für NRW (LDI NRW) im Datenschutzbericht 2017 aus "Ein weiterer Kritikpunkt: WhatsApp liest bei der Installation Telefonnummern und weitere Datenkategorien aus, die im Adressbuch auf dem Gerät der Nutzerinnen und Nutzer gespeichert sind. Anschließend erfolgt ein Abgleich dieser Daten mit der Datenbank aller durch WhatsApp gespeicherten Bestandsdaten. Dies geschieht unabhängig davon, ob die Telefonnummern anderen WhatsApp-Nutzerinnen und -Nutzern gehören und ob diese damit einverstanden sind oder davon überhaupt auch nur wissen. Besonders brisant dabei ist: Für die Weitergabe dieser Daten sind die Nutzerinnen und Nutzer von WhatsApp datenschutzrechtlich verantwortlich. Über die Nutzung für rein private oder familiäre Zwecke hinaus wären, mangels einer gesetzlichen Erlaubnis für die Weitergabe der Daten, grundsätzlich die Einwilligungen aller Personen einzuholen, deren Telefonnummern im Adressbuch gespeichert sind." Quelle: 23. Datenschutz- und Informationsfreiheitsbericht 2017 S. 94f
    • Auch auf PCs und Notebooks kann das Speichern von Kontaktdaten unter Umständen zu Problemen mit dem Datenschutz führen.
      • Beispiel Apple Computer "Kontakte": Grundsätzlich ist die Speicherung in Kontakte kein Problem. Ist jedoch die iCloud Synchronisation eingeschaltet, landen die Adressdaten automatisch in der iCloud, also online auf einem Server. Das ist nicht durch die Genehmigung durch die Schulleitung abgedeckt.
      • Wer Office 365 mit Cloud Funktion nutzt und die Kontaktdaten seiner Schüler und deren Erziehungsberechtigten in Outlook speichert, muss davon ausgehen, dass diese Daten in die Microsoft Cloud synchronisiert werden. Auch das ist nicht zulässig, da weder durch das Schulrecht abgedeckt, noch durch die Genehmigung des Schulleiters.
      • Wer Anbieter wie Dropbox auf dem Rechner nutzt, sichert je nach Einstellung auch die Kontakte in die Cloud, was ebenfalls nicht zulässig ist, wenn davon auch Schülerdaten betroffen sind.
  • Will man die Kontaktdaten unbedingt auf einem Mobilgerät, PC oder Notebook speichern, muss man dafür sorgen, dass die beschriebenen Szenarien nicht zutreffen.
    • Man sieht, dass a) die Synchronisation für das Adressbuch deaktiviert ist und b) keine anderen Apps Zugriff auf die Daten erhalten.
    • Man sucht nach einem Kontakte App, welches keine Sicherungsfunktion in eine Cloud beinhaltet und achtet darauf, dass auch von keiner anderen Seite aus eine Sicherung in eine Cloud erfolgt.
    • Man legt die Adressen in einer Textdatei an, die keine Cloud-Synchronisation hat und auch nicht von anderer Seite aus in eine Cloud gesichert wird.

Ich möchte auf einer Klassenfahrt Fotos meiner Schüler zur Erinnerung mit meinem Smartphone machen. Was muss ich beachten?

  • Macht eine Lehrkraft Fotos von Schülern mit einem Smartphone, stellt dieses eine Verarbeitung von persönlichen Daten dar auf einem privaten Endgerät dar. Die VO-DV I Anlage 3 führt Fotos von Schülern nicht unter den zur Verarbeitung zugelassenen Individualdaten auf. Damit ist es datenschutzrechtlich nicht zulässig, außer die Lehrkraft hat genau dafür zuvor eine schriftliche Einverständnis bei den Schülern bzw. deren Erziehungsberechtigten eingeholt. Achtung! Die Einwilligung erfolgt freiwillig! Es reicht hierfür keine generelle Einwilligung, wie sie in der Regel bei der Anmeldung an Schulen eingeholt wird.
    • Auf der Einwilligung sollte auch der Zweck der Aufnahmen angegeben und klargemacht werden, dass die Aufnahmen nach Nutzung für den beschriebenen Zweck unverzüglich gelöscht werden vom Smartphone der Lehrkraft.

Warum macht es einen Unterschied, ob eine Lehrkraft Fotos von Schülern mit einer Digitalkamera macht oder einem Smartphone?

  • Eine Digitalkamera stellt in der Regel (es gibt Ausnahmen) keine ADV Anlage (sprich Computer) im Sinne des Datenschutzgesetzes dar. Bei einem Smartphone handelt es sich hingegen um einen vollwertigen Computer. Aufnahmen mit einer Digitalkamera sind so über eine generelle Einwilligung, dass Fotos in der Schule gemacht werden dürfen, abgedeckt. Beachtet werden sollte immer, dass Aufnahmen zu außergewöhnlichen Zwecken durch gesonderte Einwilligungen, die genau diese außergewöhnlichen Zwecke beschreiben, abgesichert werden sollten. Auch diese erfolgen auf freiwilliger Basis.

Reicht es, wenn ich die Zustimmung der Schüler einhole, bevor ich ein App oder eine Webplattform nutze, bei welcher persönliche Daten genutzt werden?

  • Bei volljährigen Schülern geht das immer.
  • Schwieriger ist es, wenn Schüler noch nicht volljährig sind. Es heißt dazu in § 120 (2) DSG NRW: " Minderjährige Schülerinnen und Schüler sind einwilligungsfähig, wenn sie die Bedeutung und Tragweite der Einwilligung und ihre rechtlichen Folgen erfassen können und ihren Willen hiernach zu bestimmen vermögen." Hier muss man sich sehr sicher sein, ob die betroffnen Schüler schon in der Lage sind, abzuschätzen, welche Folgen eine Weitergabe von persönlichen Daten bei einer Registrierung in einer Plattform haben könnte, auch auf lange Sicht. In der Grundschule und bis einschließlich Klasse 6 ist definitiv davon abzuraten, die Entscheidung den Kindern zu überlassen. Hier sollten auf jeden Fall die Eltern um Zustimmung gebeten werden. Siehe dazu auch die Hinweise aus Baden Würtemberg in Bezug auf Veröffentlichung von persönlichen Daten im Internet.

Ich möchte für meine Schule auf dem Server im Schulkeller ein Moodle aufsetzen und dann für Schüler und Lehrer für den Unterricht freigeben. Geht das?

  • Ja, das geht, wenn folgende Bedingungen erfüllt sind:
    • Die Installation und Nutzung muss von der Schulleitung genehmigt sein.
    • Die Installation muss den datenschutzrechtlichen Anforderungen, wie sie sich aus § 10 DSG NRW – Technische und organisatorische Maßnahmen ergeben, genügen. (Ist die Installation nur über das Intranet erreichbar, sind diese Vorgaben leichter zu erreichen als wenn das Moodle auch über das Internet erreichbar ist.)
    • Entsprechend ist ein Verfahrensverzeichnis zu erstellen.
    • Die Nutzer müssen in einer Nutzervereinbarung über die Protokollierung ihrer Aktivitäten in der Plattform aufgeklärt werden und dieser zustimmen.

Die Schule möchte Microsoft Office 365 mit Cloud Funktion nutzen. Was ist zu beachten?

  • Grundsätzlich gilt in diesem Fall, dass es sich um eine Datenverarbeitung im Auftrag handelt. Die Daten liegen nicht auf einem Server in der Schule selbst, sondern in der Cloud. Es muss also ein entsprechender Vertrag zur Datenverarbeitung im Auftrag nach § 11 DSG NRW abgeschlossen werden.
  • Eine datenschutzrechtliche Bewertung der Frage findet sich in dem PDF [Nutzung Office 365 in Schulen]
  • Ein kaufmännisches Berufskolleg hat eine Anfrage an die LDI NRW gestellt wegen eines geplanten Einsatzes von Office365. In einer Antwort vom 06/2017 gibt man dort an, dass es noch keine Bewertung gebe und man von daher keine Empfehlung aussprechen könne. (siehe Office 365 Datenschutz). Diese Aussage widerspricht der des LDI von RLP: "Ein Einsatz ist somit nur dann zulässig, wenn entweder über ein Treuhandmodell der Zugriff durch US-amerikanische Stellen ausgeschlossen ist oder wenn keine personenbezogenen Daten in der Cloud gespeichert werden." wonach ein Einsatz unter Nutzung persönlicher Daten nach dem Treuhandmodell möglich ist.

Wann brauche ich einen Nutzervereinbarung für ein pädagogisches Netz?

  • Solange das pädagogische Netz ohne individuelle Nutzerkonten und die Speicherung persönlicher Daten genutzt wird, ist keine Nutzervereinbarung erforderlich. Manche Grundschulen arbeiten so mit sogenannten Klassenkonto, das von allen Schülern der jeweiligen Klasse genutzt werden.
  • Gibt für jeden Schüler ein individuell identifizierbares Nutzerkonto, so fallen zum einen Log-Daten an, wenn sich der jeweilige Nutzer über einen Rechner am pädagogischen Netz anmeldet. Diese Log-Daten verzeichnen, die Zeitpunkte der An- und Abmeldung und je nach Netzwerk auch das Gerät, von welchem Login und Logout erfolgten. Hieraus kann ein Nutzerprofil bezüglich der Nutzungszeiten und -dauer erstellt werden. Dieses sind bereits persönliche Daten. Zusätzlich werden in der Regel auch die Zugriffe auf das Internet protokolliert. Über ein Zusammenführung beider Protokolldateien (Log Files) ist es möglich die Internetsitzungen (besuchte URLs, Downloads, ...) einzelnen Nutzern zuzuweisen. Aus den vorher anonymen Daten werden so persönliche Daten. Nutzer müssen darüber aufgeklärt werden. Das ist Bestandteil einer Nutzervereinbarung, durch deren Unterzeichnung die Nutzer sich auch mit der Aufzeichnung dieser Daten einverstanden erklären.

Darf eine Schule Videos in einen eigenen Youtube Kanal hochladen, die als Ergebnisse von Schülerprojekten entstanden sind?

  • Es ist hierbei zu unterscheiden, ob Schülerinnen und Schüler im Video auftauchen oder nicht.
    • Mit Einverständnis der Betroffen geht alles. Das würde in diesem Fall bedeuten: Es muss eine schriftliche Einverständnis auf freiwilliger Basis eingeholt werden, welche den genauen Zweck und Inhalt der geplanten Videos benennt und wo diese veröffentlicht werden sollen. Es ist auf die Freiwilligkeit der Einwilligung hinzuweisen. Schülerinnen und Schülern, die keine Einwilligung erteilen bzw. durch die Erziehungsberechtigten erhalten, darf aus der Nichteinwilligung kein schulischer Nachteil entstehen. Die Einwilligung muss widerrufbar sein. Man sollte in solchen Fällen darauf hinweisen, dass bei Videos, zu welchen die Zustimmung gegeben wurde, und die viele Schüler darstellen, die Einwilligung nicht widerrufen werden kann, da durch die Lösung auch andere Schüler betroffen wären. Vor Gericht kann man, wenn es zum Streit käme und eine Löschung verlangt wird, aber trotzdem unterliegen, vor allem, wenn die betroffene Person unvorteilhaft dargestellt wurde.
    • Wenn keine Schüler im Video auftauchen und beispielsweise nur ein Erklärvideo erstellt wird, ist die Sache unproblematischer. Eine Einwilligung ist dann nicht erforderlich. (Es gilt in diesem Fall jedoch eventuell das Recht am eigenen Werk.)

Wie sieht eine datenschutzrechtliche korrekte Einwilligungserklärung aus?

  • Da es in NRW aktuell keine digitale Plattform gibt, zu deren Nutzung Schüler oder Lehrkräfte per Gesetz verpflichtet sind, gibt es auch keinen rechtlich verbindlichen Anspruch, dass Betroffene dafür persönliche Daten freigeben müssen. Im 23. Datenschutz- und Informationsfreiheitsbericht 2017 - LDI NRW S. 46 heißt es dazu "Um in der Schule E-Learning als verpflichtenden Bestandteil des Unterrichts einsetzen zu können, bedarf es einer gesetzlichen Grundlage. Da es eine solche in NRW gegenwärtig nicht gibt, ist E-Learning allein auf Grundlage informierter Einwilligungen (vgl. § 4 Abs. 1 Buchstabe b DSG NRW) datenschutzrechtlich zu rechtfertigen."
  • Im gleichen Bericht der LDI NRW wird auch ausgeführt, wie eine Einwilligung auszusehen hat, bzw. welchen Kriterien sie zu genügen hat. Siehe dazu Orientierungshilfe zur datenschutzrechtlichen Einwilligungserklärung 2016.pdf
  • Eine Einwilligung muss ganz klar sagen, worum es geht.
    • Die Überschrift muss eindeutig sein.
    • Die Formulierung der Einwilligung selbst muss eindeutig sein, z.B. Ich bin einverstanden, dass ...
    • Die Einwilligung muss freiwillig sein. Es darf also auch kein indirekter Zwang ausgeübt werden durch die Situation, z.B. Anmeldung an der Schule, alle in der Klasse machen das doch auch oder anders geht das leider nicht.
    • Worin eingewilligt wird, sollte am besten deutlich vor dem Bereich für die Unterschrift stehen.
    • Datenschutzhinweise sollten nicht mit anderen Inhalten vermischt werden, etwa Nutzungsregeln. Es sollte eine deutlich ersichtliche Trennung geben.
    • Eine Einwilligung sollte nicht durch unnötige Informationen aufgebläht werden.
    • Werden besondere personenbezogene Daten erhoben, muss die Einwilligung diese auch ausdrücklich berücksichtigen.
    • Werden Daten an Dritte übermittelt (was bei Online Angeboten und Apps, die mit individuellen Nutzerkennungen arbeiten, überwiegend der Fall ist, sind die Datenübermittlungen mit deren Zweckbestimmung und die Empfänger der Daten transparent zu erläutern.
    • Die Einwilligung muss für die betroffenen Personen verständlich sein.
    • Die Betroffenen sind auf die Folgen einer Nichteinwilligung hinzuweisen. Achtung! Im schulischen Kontext darf den Betroffenen daraus kein Nachteil entstehen.
    • Es muss auf die grundsätzliche Möglichkeit eines Widerrufs der Einwilligung hingewiesen werden.
  • Einige Anbieter halten Einwilligungserklärungen für Nutzer bereit. Diese entsprechen nicht immer den oben genannten Anforderungen. Hier empfiehlt es sich, mit einem schulischen Datenschutzbeauftragten Rücksprache zu halten.

Videoaufnahmen von Schülern im Unterricht - was ist zu beachten?

Videoaufnahmen von Schülerinnen und Schülern (auf denen diese zu sehen sind) können im Unterricht nur gemacht werden, wenn bestimmte Voraussetzungen dafür erfüllt werden:

  • Die Genehmigung der Schulleitung liegt vor
  • UND die Einwilligung der Betroffenen bzw. deren Erziehungsberechtigten wurde eingeholt
  • UND es wird ein schulisches Geräte genutzt
  • ODER es wird ein Lehrergerät genutzt und die Lehrkraft hat dafür von der Schulleitung eine Genehmigung in der aktuellen, jetzt verbindlichen Version zur Datenverarbeitung von persönlichen Daten von Schülern auf privaten Endgeräten (ein privates Tablet oder Smartphone fällt unter die Kategorie ADV Anlage) eingeholt und zwar für dieses eine für die Aufnahmen genutzte Gerät (Name und Seriennummer)

Und dann sollte die Einwilligung noch den formalen Ansprüchen genügen, wie sie oben beschrieben sind

Andere sinnvoll informieren

Mit der folgenden Präsentation kann über Datenschutz in der Schule gesprochen werden, z.B. in der Lehrerkonferenz oder bei einer Fortbildung. Prezi: Rechtliche Bestimmungen im Umgang mit den Daten meiner Schülerinnen und Schüler (Die Präsentation kann kopiert und für eigene Zwecke angepasst werden, alle Angaben ohne Gewähr)

Experte

  • Dirk Thiede, KT OE